Unser Ruderrevier

Unser Ruderrevier Wenn wir vom Städtischen Bootshaus aus, am Hardenberghafen vorbei, in Richtung Achenbachhafen und Schleuse Henrichenburg rudern, hat sich jeder von uns wohl schon Gedanken gemacht, wie unser Ruderrevier einst entstanden sein mag. Während die ehemalige Zeche Hardenberg und der dazugehörige Hafen nach Fürst Karl August von Hardenberg, dem preußischen 1. Minister auf dem Wiener Kongreß benannt wurden, heißt die ehemalige Zeche Achenbach und der dazugehörige Hafen bei Kanal-km 6.8 nach dem seinerzeit für den Kanalbau verantwortlichen preußischen Minister für Öffentliche Arbeiten.

Bereits 1856, also etwa vor 150 Jahren, hatte ein Dortmunder „Canal Comité“ Pläne vorgelegt, um Dortmunds aufstrebende Montanindustrie über ein Kanalsystem mit Rhein, Weser und Elbe zu verbinden. Aber es gab große Widerstände im damaligen Preußen zu überwinden. So fürchteten z.B. die ostelbischen Großagrarier um ihre Absatzgebiete, wenn billige Einfuhren landwirtschaftlicher Produkte über Emden den Dortmund-Hörder Raum erreichen konnten. Gleiche Sorgen hatten die westfälischen Bauern. Die Saarwirtschaft und die schlesischen Industrien fürchteten dagegen ein industrielles Aufblühen ihrer Dortmunder Montan-Konkurrenten.

Erst mehr als 20 Jahre nach der Gründung des Deutschen Reiches konnte endlich 1892 mit den Ausschachtungsarbeiten für den Kanal begonnen werden. In der 7jährigen Bauzeit für den damals 251 km langen Kanal mußten zahlreiche aufwendige Wasserbauwerke, Brücken, Schleusen und das zur damaligen Zeit technisch neuartige Schiffshebewerk bei Henrichenburg errichtet werden. Im Oktober 1895 erfolgte der erste Spatenstich für den zunächst kleinen Dortmunder Stadthafen durch Oberbürgermeister Schmieding.

An der pompös gestalteten Hafeneinweihung im Jahre 1899 hatte Kaiser Wilhelm II. auf dem Regierungsdampfer „Strewe“ das Schiffshebewerk Henrichenburg offiziell eröffnet und war anschließend auf dem Kanal bis in den Dortmunder Stadthafen gefahren. Er wurde auch von Ruderern des ein Jahr zuvor gegründeten Ruderclub Hansa Dortmund in vier ausrangierten, dickwandigen Pünten mit festen Sitzen und festen Dollen aus der Ferne begrüßt. Die fesch gekleideten Ruderer drangen zwar mit ihrem „Hipp Hipp Hurra!“ nicht bis zum Kaiser durch, waren aber immerhin mit dabei gewesen.

Im ursprünglichen Konzept des Kanals war nicht genügend berücksichtigt worden, daß er seine strukturpolitische Aufgabe nur erfüllen konnte, wenn er dem Wettbewerb der Zu- und Ablauffrachten der am Rhein gelegenen Stahlwerke gewachsen war. Schon während der langen Planungs- und Bauzeit veraltete der Kanal im Vergleich mit diesem Wettbewerb und erwies sich bereits bei seiner Inbetriebnahme als unzureichend dimensioniert. Zu schmal, und zu flach ließ er abschnittsweise nur Verkehr jeweils in einer Richtung zu. Die Schleusen waren zu klein, um ganze Schleppzüge aufzunehmen.